Hintergrund des Innovationsvorhabens


Mehr als 89% der befragten Verbraucher gaben an, dass ihnen das Wohl der Tiere mit Abstand am wichtigsten bei der Wahl von Bio-Produkten ist. Doch wie können die Verbraucher sicher sein, dass das gekaufte Tierprodukt wirklich unter tiergerechten Bedingungen erzeugt wurde?


Die Flut an Siegeln, Marken oder Initiativen kann dabei den Verbraucher nur bedingt verlässlich informieren: allein in Deutschland gibt es mehr als 100 derartige Bezeichnungen. Die darin getroffenen Aussagen unterliegen nur bedingt einer Kontrolle, wie beispielsweise das Bio-Siegel gemäß der EU-Öko-Verordnung. Doch nicht nur die Verbraucher benötigen verlässliche Aussagen. Ebenso wünschen sich die Erzeuger und Hersteller verlässliche Kriterien, deren Einhaltung objektiv nachgewiesen werden kann und gleichermaßen zu einem messbaren Nutzen für den Verbraucher führt. Nur dann ist ein Auftreten unter einem „Tierwohl“ – Siegel glaubhaft und wirtschaftlich sinnvoll. Auch auf politischer Ebene sind die Themen Tiergerechtheit, Tierwohl und Tierschutz im Fokus der neuen Bundesregierung. Der Koalitionsvertrag zur 18. Legislaturperiode beinhaltet das Bestreben zur Entwicklung einer nationalen Tierwohl-Offensive. Diese beinhaltet u.a. die Erarbeitung von bundeseinheitlichen Prüf- und Zulassungssystemen für Tierhaltungssysteme sowie EU-weit einheitliche und höhere Tierschutzstandards durchzusetzen. Weiterhin soll, einhergehend mit diesem Innovationsforum, ein Standard für Tiergerechtheit nach deutschem Vorbild erarbeitet werden.


Das FBN in Dummerstorf bei Rostock beschäftigt sich seit Jahren mit der Erforschung, Entwicklung und dem Einsatz von Technologien zur Messung von Stress bei Nutztieren. Neben einer subjektiven, häufig auf Erfahrungen beruhenden Einschätzung des Verhaltes und des äußeren Erscheinungsbildes von Nutztieren, reichen die objektiv analysierbaren Marker von nicht–invasiven Größen, wie Muster in Tierlauten oder die Herzfrequenzvariabilität, über physiologische Messgrößen, wie Muskeltonus, die Leitfähigkeit, der Laktatgehalt und der pHWert des Fleisches, bis hin zur Analyse von Biomarkern, wie z.B. IGF-Bindungsproteinen. Es kann somit prinzipiell ein breites Spektrum an objektiven Messgrößen und Verfahren zur Erhebung und Auswertung von Tiergerechtheit herangezogen werden. Jedoch ist nicht abschließend geklärt:

  • welche Parameter oder deren Kombinationen am geeignetsten sind um Tierwohl/
    Tierunwohlsein objektiv festzustellen,
  • wie die entsprechenden Messgrößen praktikabel und effektiv erfasst werden können,
  • welche Korrelationen es mit der Produktqualität gibt und somit auch, welcher nachprüfbare
    Einfluss auf einen weiteren Kundennutzen nachgewiesen werden kann,
  • wie ein verbindlicher Rahmen für den multilateralen Erkenntnis- und Wissensaustausch
    geschaffen werden kann,
  • wie eine Umsetzung des gemeinsam gefundenen verbindlichen Konzeptes durch geeignete
    Projektformen ermöglicht wird.